1. Die Ursache für das Zeitalter der Mainstreams

- Wir leben in der Zeit der Main-Streams. Sie sind häufig unqualifizierte Aussagen und Standpunkte, Meinungen und scheinbar professionelle Behauptungen, die unreflektiert von vielen Menschen, von den Massen übernommen werden. Im Kern sind es kollektiv übermittelte und zum Teil auch kollektiv verordnete Vorurteile.

- Wodurch ist ein solcher Prozess möglich? Er wird allein durch die elektronischen Massenmedien möglich. Was als Kommunikations-Zeitalter bezeichnet wird, ist selbst auch ein solcher Mainstream. Die scheinbaren Kommunikationsmittel, wie facebook, instagram, whatsappund andere, die fälschlich als Kommunikationsvorgänge bezeichnet werden, sind in Wirklichkeit nur Wege, um unreflektierte Meinungen, Mainstreams, in kürzester Zeit weltweit zu verbreiten. Sie beseitigen global die echte Kommunikation und echte Information. Die genannten Medien sind genau das Gegenteil von Kommunikations-Kanälen, sie verhindern wirkliche Kommunikation und bewegen sich in einem riesigen Bereich der Schein-Kommunikation, Fehl-Kommunikation und Nicht-Kommunikation und sie befördern mächtig die explosionsartig ansteigende Vereinsamung und Sucht der Menschen.

- Diese Schein-Medien sind Grund für das Mainstream-Zeitalter, in dem wir schon mitten drinnen sind. Wir sind umzingelt von einer Fülle an Mainstreams und Falschnachrichten bis hin zur Fülle von fakes, mit denen wir leben, die wir aushalten und in denen wir uns zurechtfinden müssen.

 2. Der Mainstreams des als „mental“ Bezeichneten

- Einer dieser scheinbar zutreffenden Mainstreams besteht darin, dass alles, was den Menschen betrifft, nur mehr als „mental“ bezeichnet werden kann. Das ist so, wie wenn der Mensch nur mehr aus seinem Gehirn bestünde und es unter seinem Kopf nichts mehr gäbe.

- Seid es die sogenannten Mental-Trainer gibt, spricht alles im Sport und in der Öffentlichkeit vom „Mentalen“. Die Frage, die sich stellt, ist, wie weit die „Mentaltrainer“ selbst eine fundierte psychologische Ausbildung durchlaufen haben, um solche Begriffe richtig anzuwenden. Die Aussage, dass vieles grundlegend nur eine „mentale“ Angelegenheit ist, ist an sich unreflektiert und unprofessionell. Auch wenn solche Aussagen oft wiederholt werden, werden sie nicht gescheiter und schon gar nicht richtiger oder professioneller. Denkt an den Menschen nur als „mentales“ Ereignis, wird man ihm ganz gewiss nicht gerecht. Das Gehirn ist nicht der Mensch – das ist relativ leicht zu verstehen – es ist nur eine Hilfe und nur dann, wenn es richtig, im Sinne des ganzen Wesens des Menschens, eingesetzt wird. Etwas nur aus „mentaler“ Sicht zu beschreiben, ist oberflächlich und wir uns Menschen nicht gerecht, auch wenn es äußerlich noch so smart und scheinbar professionell klingen mag.

- Da es nicht um den Verstand, um „das Mentale“, sondern um den (ganzen) Menschen geht, ist der Wortgebrauch des „Mentalen“ gänzlich unzutreffend, wirkungslos und grundlegend falsch. Wird von „mentalen Ursachen“ gesprochen, ist die betreffende Aussage von vornherein durchwegs verkürzt, denn mit dem Begriff „mental“ wird die Persönlichkeit und die Psyche des Menschen beseitigt. Wir sollten uns als Personen und Menschen nicht auf unsere Gehirne, auf unsere mentalen Funktionen verkürzen lassen.

- Psychische Vorgänge wie die Selbstsicherheit, das Selbstwertgefühl, der Mut, die Motivation, das Mögen, der Teamgeist, die Führungsfähigkeit, der Wille zum Miteinander und viele andere menschliche und soziale Vorgänge sind komplexe psychologische und sozialpsychologische Vorgänge, die der Begriff „mental“ niemals zu erklären und zu bearbeiten vermag.

Copyright: Reinhold Dietrich. 22.09.2019